Standard-Käfer statt Faltdach-Käfer

Es trifft mich wie einen Schlag: Auf einmal hat die Suche ein Ende.

Direkt vorab: Nein, es wurde kein Faltdach-Käfer. Nein, es wurde nichtmal ein Export-Modell. Und nein, auch viele meiner Kriterien wurden nicht wirklich erfüllt. Es ist wie oft im Leben: Auf einmal stolpert man über etwas und weiß einfach, das es passt.

Über das Bugnet bin ich auf ein 1960er Standardmodell des VW Käfer gestoßen. Unverbastelt, von Umrüstungen durch den TÜV einmal abgesehen (Vordere Blinkleuchten und andere Rückleuchten als Ersatz für die Winker, Lenkradschloss als Diebstahlsicherung) und nicht „exportisiert“.

Kurz überlegt, dann Armin, den Verkäufer, kontaktiert und dankenswerterweise den ersten Besichtigungstermin einige Tage später bekommen, trotz vieler Anfragen.

VW Käfer, Standard-Modell, Modelljahr 1960, auf dem Anhänger auf dem Weg nach Hause
Schau mir in die Augen, Kleiner. 1959 hat der Krabbler sein Werk in Wolfsburg verlassen.

Nicht ungeschweißt, aber mit bewegter Historie. Nicht perfekt, aber zu richten. Schweißarbeiten sind ebenso wenig zu vermeiden wie Schönheitskorrekturen. Nach 56 Jahren kein Wunder, aber ein ehrlicher, originaler Standard mit den entsprechenden Teilen und mit Charme. In Erstlack, und das wird er auch bleiben.

Armin habe ich zu danken, dass mir Bedenkzeit eingeräumt wurde. Ich treffe fast nie wichtige Entscheidungen, ohne darüber zu schlafen. Der Status ein paar Stunden später: Dieser Standard-Käfer ist verkauft – an mich.

Heckansicht des riedgrünen VW Käfer Standard-Modell, Modelljahr 1960, mit lackierten Stoßstangen
Riedgrün und nicht verbastelt, so präsentiert sich der Standard-Käfer bei der Besichtigung.

Patina statt Chrom – das es in diese Richtung geht, hatte ich eigentlich nicht erwartet. Aber ich lasse mich gerne darauf ein, und für Matching Numbers, eine gute Innenausstattung und den Originalzustand verzichte ich auch gerne auf das Faltdach (das es übrigens ab Werk auch mal für dieses Modell gab… ;)).

Ein Schnapper am Abend

Drei Kotflügel des VW Käfer als Ergänzung für den Fundus der Mysteriösen Halle
Drei originale Käfer-Kotflügel unterschiedlicher Baujahre aus der Nachbarschaft.

Drei originale Kotflügel, für vorne unten hinten, aus verschiedenen Baujahren, für einen kleinen Preis. eBay-Kleinanzeigen ist schon eine tolle Plattform, doch nun fehlt nur noch das passende Auto! :)

Ein Hoffnungsschimmer

Wer hätte das gedacht? Kaum nehme ich die Suche wieder auf, rollt mir ein Fahrzeug vor die Füße.

Angeboten wurde mir ein 1962er Faltdach-Käfer in L87 (perlweiß), wiederrum aus dem engeren Freundeskreis. Klingt bezüglich meiner Suchkriterien eigentlich ideal.

Der Wagen steht seit über 20 Jahren – und die Zeit hat Spuren hinterlassen. Zwar nicht verbastelt und mit einem soliden Fundament (Bodengruppe) ausgestattet, gibt es am Häuschen leider umso mehr zu tun.

So viel, dass ich mich nach mehrmonatiger Entscheidungsphase und vielen Hochs und Tiefs dann doch dagegen entschieden habe, das Fahrzeug zu kaufen – die Arbeiten schrecken mich einfach zu sehr ab, der gehört in sehr fachkundige Hände.

Un nun? Ich schaue natürlich trotzdem weiter…

Lebenszeichen

Er lebt noch! Wie man sich bestimmt denken kann, ist aus der Fahrzeugbesichtigung vor 573 Tagen nicht wirklich etwas geworden.

Ohne ins Detail zu gehen: Das Fahrzeug war vom Prinzip sehr schön, doch aufgrund von Abweichungen zwischen Modelljahr, Optik und Fahrgestellnummer habe ich vom Kauf Abstand genommen.

Aktuell restauriere ich mein US-Car, einen 1982er Pontiac Firebird Trans Am – die Fortschritte sind auf myKNIGHT.de zu verfolgen. Es wird nicht nur eine Vollrestauration, der Sportwagen wird in ein authentisches Replica von „K.I.T.T.“, dem schwarzen Wunderauto aus der 80er Jahre Kult-Serie „Knight Rider“ verwandelt.

Bezüglich des Käfers ist es vor diesem Hintergrund ruhig geworden, doch ich gebe die Hoffnung nicht auf und halte ab sofort die Augen wieder offen. Irgendwo muss es doch noch einen Käfer für mich geben, notfalls für die Zeit nach der Restauration von K.I.T.T.

Ich bin ja noch jung, ich habe Zeit.

Interessantes Angebot

Ich suche jetzt schon mehrere Monate, doch das richtige Angebot war noch nicht dabei. Nun gibt es noch eins…

Am Sonntag wird es nochmal ernst. Zusammen mit meinem Vater schaue ich mir einen Faltdach-Käfer an, der über den Freundeskreis an mich herangetragen wurde.

Dieser liegt zwar deutlich über meinem Budget und entspricht nicht unbedingt meinen unten aufgestellten Rahmenbedingungen, hat dafür aber einige weitere Vorzüge.

  • Erstzulassung im Jahr 1959 (Rechteckfenster mit Winkern)
  • Historische Nachrüstung von Blinkern unter Beibehaltung der originalen Einkammerrückleuchten
  • Export-Stoßstangen und Faltdach
  • Rubinroter Originallack mit Patina
  • Ungeschweisste Karosserie

Und das beste: Er läuft! Er ist angemeldet und hat noch ein Jahr TÜV. Er kommt aus langjähriger Sammlerhand, ein Wartungsstau ist nicht zu befürchten.

Wie sagt man? Schauen kostet ja nichts.

Suche? Läuft.

So langsam werde ich nachdenklich…

Ich habe mir nun einige Fahrzeuge angeschaut und komme langsam ins Zweifeln. Dank dem hervorragenden Bugnet-Forum und nach Gesprächen mit anderen Freunden des luftgekühlten Krabblers überlege ich mir, meine ursprünglichen Pläne zu ändern.

Weg von dem Gedanken, einen fast fahrfertigen Käfer mit offenen Restarbeiten zu kaufen. Hin zu der Entscheidung, einen möglichst originalen, unverbastelten Krabbler zu finden. Karosserieschäden? Nebensächlich, solange nicht völlig marode. Die Karosserie kann dank der guten Teilelage in Ordnung gebracht werden, eventuelle Verschlimmbesserungen von Vorbesitzern jedoch nur mit größerem Aufwand.

Schweißen kann man lernen – die Grundlagen sind vorhanden. Davon abgesehen ist diese Szene voll mit Leuten, die mir helfen könnten – und das zu einem fairen Kurs.

Sollte ich diesen Weg gehen, sollte ich in der Folge auch meine Prioritäten überdenken – denn wenn ich ein Auto schon restauriere, bevor ich es fahre, sollte alles passen. Die im letzten Beitrag veröffentlichte Liste würde ich dann wie folgt überarbeiten:

  • Dickholmer (wie gehabt)
  • Modelljahr 1962/1963 (Kofferraumhaube mit Schraubfedern, Schmale Blinker)
  • Originalgetreuer Zustand, möglichst ungeschweisst mit Erstlack und Patina
  • Zustand Antrieb/Fahrwerk nebensächlich, da relativ überschaubar reparabel
  • Export-Stoßstangen (mit Bügeln)
  • Faltdach
  • Wunschfarbe L87 Perlweiß

Und der Preis? Abgerechnet wird ein solches Projekt am Schluss.

Die Qual der Wahl

Dickholmer, Dünnholmer, Exportmodell, Sparmodell, Restaurationsobjekt, Scheunenfund, Ratte, …?

Wenn man dieser Tage einen Käfer sucht, wird man mit vielen Möglichkeiten konfrontiert. Das Preisniveau hat gegenüber 2006 merklich angezogen, man muss deutlich mehr Geld in die Finger nehmen – aber dies war ja abzusehen.

Ich habe daher über meine Suchkriterien nachgedacht. Ich möchte keinen Haufen Blech, der vorab eine Vollrestauration benötigt. Ich möchte ein Auto, dass seine Spuren der Zeit offen trägt, dabei aber noch fahrbereit ist. Die nächsten Jahre möchte ich den Wagen auf H-Kennzeichen bewegen, ohne diesen zu restaurieren – für die Zeit danach schließe ich eine Restauration nicht aus, aber zuerst muss er einfach fahren!

Mein Herz schlägt für Dickholmer mit Rechteckfenster, idealerweise mit Faltdach. Da aber mein Preislimit recht eng gesteckt ist, wird das eine echte Herausforderung: Bis 1963 wurden die Dickholmer mit Faltdach gebaut.

  • Modelljahr 1958 bis 1963
  • Wunschfarbe L87 Perlweiß
  • Idealerweise Export-Stoßstangen (mit Bügeln)
  • Idealerweise mit Faltdach
  • Fahrfertiger bzw. nicht restaurierungsbedürftiger Zustand (komplett, keine bzw. überschaubare Durchrostungen, Zustandsnote 3-4)

Dann mache ich mich mal auf die Suche – wenn jemand jemanden kennt, der wiederum jemanden kennt… ;)

Zurück auf Anfang

BugTales.de ist wieder da!

Es ist lange her: 2006 kaufte ich mit einem 1961er Faltdach-Käfer meinen ersten luftgekühlten Oldtimer. Kurze Zeit danach gesellte sich dann ein Käfer von 1974 für den Alltagsbetrieb hinzu.

Viele schöne Stunden habe ich mit und durch diese tollen Autos erlebt, viele interessante Menschen durch diese beiden Fahrzeuge kennengelernt. Nach Inbetriebnahme des 1961ers wurde recht schnell klar, dass eine Restauration unausweichlich ist – und der Wagen Stück für Stück zerlegt.

Leider traf ich 2010 dann die Entscheidung, die Restauration des Faltdach-Käfers abzubrechen und alle Teile abzugeben. Der 1974er wurde bereits Jahre vorher im fahrfertigen Zustand verkauft – nach einem knallhart durchgezogenen Winterbetrieb, um sich zu Recht als „richtigen Käferfahrer“ bezeichnen zu können.

Doch Leidenschaft vergeht bekanntlich nicht, man muss sich nur fokussieren. Nach dem Verkauf einiger anderer Schlachtautos und Liebschaften der Vergangenheit soll meiner zweiten Leidenschaft, den US-Cars, nun erneut ein Käfer folgen.

Hier auf BugTales.de werde ich meinen Weg dokumentieren. Nicht immer ausführlich, aber beständig und regelmäßig. Wohin mich der Weg genau führt, weiß ich jetzt auch noch nicht so genau…